Schmerzmittelgebrauch im Sport
Abstract
Der Gebrauch von Schmerzmitteln im Sport ist weit verbreitet und reicht von der Behandlung akuter Verletzungen über die Therapie hinzukommender Erkrankungen bis zur präventiven und leistungsorientierten Einnahme. Aktuelle Daten zeigen, dass insbesondere im Leistungssport ein erheblicher Anteil der Athlet:innen vor Wettkämpfen Analgetika einnimmt, mit teils deutlichen Unterschieden zwischen Sportarten. Auch im Breiten- und Ausdauersport ist der Konsum, oft ohne aktuelle Schmerzsymptomatik, relevant. Die verbreitete Annahme, durch pharmakologische Schmerzunterdrückung die Leistungsfähigkeit zu steigern, ist wissenschaftlich kaum belegt. Gleichzeitig birgt die Ausschaltung der physiologischen Warnfunktion des Schmerzes erhebliche medizinische Risiken, die nahezu alle Organsysteme betreffen können, von muskuloskeletalen Überlastungsschäden über gastrointestinale und renale Komplikationen bis zu kardiovaskulären und hepatotoxischen Nebenwirkungen. Eingebettet ist dieser Trend in einen gesellschaftlichen Kontext hoher Schmerzmittelverfügbarkeit und -akzeptanz. Ergänzend zeigen sportpsychologische Forschungsarbeiten, dass Schmerz und Verletzung von Athlet:innen als komplexes, subjektives und biopsychosoziales Phänomen erlebt werden, das häufig als integraler Bestandteil sportlicher Identität akzeptiert wird. Dies erklärt den oft unkritischen Umgang mit Analgetika, an dem neben Ärzt:innen auch Physiotherapeut:innen sowie weiteres Betreuungspersonal beteiligt sein können, was rechtliche und ethische Fragen aufwirft.