Auswirkung des Erhalts von Harnröhrenschließmuskel und neurovaskulärem Bündel auf die langfristige Harnkontinenz nach robotergestützter radikaler Prostatektomie
Abstract
Ziel: Das Ziel dieser Arbeit war es zu untersuchen, ob die Implementierung von Erhalt des Harnröhrenschließmuskels in voller funktioneller Länge (FFLU) sowie der Erhalt des Nervenbündels nach intraoperativem Gefrierschnitt (NVBP) als neuer Behandlungsstandard bei Roboter-assistierter Prostatektomie (RARP) im Vergleich zu Standard-RARP zu einer Verbesserung der postoperativen langfristigen Harnkontinenzraten führt. Material und Methoden: In einem Zeitraum von 01/2014 bis 09/2019 konnten 142 Patienten, welche sich einer RARP unterzogen, in die Auswertung für diese Arbeit eingeschlossen werden. Hiervon erhielten 68 Patienten eine FFLU+NVBP und 74 Patienten eine Standard-RARP. Die Langzeitkontinenz wurde in standardisierten Fragebögen prospektiv erhoben und anschließend ausgewertet. Definiert wurde die langfristige Kontinenz als der Gebrauch von keiner oder maximal einer Sicherheitsvorlage innerhalb von 24 Stunden zu einem Zeitpunkt mindestens 12 Monate nach erfolgter Operation. Die Patientengruppen wurden außerdem bezüglich Alter bei RARP, BMI, Prostatavolumen, medianem PSA-Wert, Nervenbefall und extraprostatischer Ausdehnung auf ihre Vergleichbarkeit analysiert. In den verschiedenen Gruppen wurde anschließend die Harnkontinenzraten nach FFLU+NVBP und Standard-RARP verglichen und statistisch ausgewertet. Ergebnisse: Insgesamt wurden 142 Patienten in die Analyse eingeschlossen, von denen insgesamt 68 Patienten (48%) mit dem neuen Behandlungsstandard FFLU+NVBP behandelt wurden und 74 Patienten eine Standard-RARP erhielten. Bezüglich des Alters, BMI und medianen PSA-Wertes und extraprostatischer Ausdehnung gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die langfristigen Harnkontinenzraten nach FFLU+NVBP lagen bei 91% im Vergleich zu 63% nach Standard-RARP. Statistisch konnte der neue Behandlungsstandard aus FFLU+NVBP als signifikanter Prädiktor für eine langfristige Harnkontinenz ausgemacht werden. Fazit: In dieser Arbeit konnte eine Verbesserung der langfristigen Kontinenz nach roboter-assistierter radikaler Prostatektomie mit Erhalt des Harnröhrenschließmuskels in voller funktioneller Länge sowie Erhalt des Nervenbündels von 91% mindestens 12 Monate nach Operation festgestellt werden im Vergleich zur bisherigen Standard-RARP. Hieraus lässt sich ableiten, dass die Implementierung von FFLU+NVBP einen neuen Behandlungsstandard zur Therapie von Prostatakarzinomen darstellen kann.