Angewandte Neurobiologie der Borderline-Persönlichkeitsstörung: Auswahl von Behandlungszielen
Abstract
Der psychopharmakologische Ansatz bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung entfernt sich zunehmend von der Suppression und bewegt sich hin zu einem regulatorischen Modell: Es sollten Wirkstoffe berücksichtigt werden, die sowohl auf monoaminerge als auch auf glutamaterge Systeme wirken, um die präfrontale Kontrolle über die affektive Reaktivität zu verbessern. Die direkte Evidenz dafür, dass ein frontolimbisches Ungleichgewicht spezifisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, ist schwach. Es könnte sich um ein transdiagnostisches Phänomen handeln oder um Auswirkungen von Kindesmisshandlung, die bei vielen Störungen gemeinsam auftreten. Die Erblichkeit der Borderline-Persönlichkeitsstörung liegt bei etwa 55 %. Dies sollte bei der Psychoedukation von Patienten als bedeutsamer genetischer Beitrag neben Widrigkeiten in Kindheit und Jugend eingeordnet werden.