Aktuelle Therapieoptionen beim anaplastischen Schilddrüsenkarzinom im Kontext der S3-Leitlinie
Abstract
Zusammenfassung Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom (ATC) ist eine seltene, hochaggressive Tumorerkrankung, die eine rasche Diagnosestellung und interdisziplinäre Therapieplanung erfordert. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt ein multimodales Behandlungskonzept aus Chirurgie, Strahlentherapie und systemischer Therapie. Klassische Chemotherapien bleiben dabei ein Bestandteil der Behandlung, zeigen jedoch insgesamt nur eine begrenzte Wirksamkeit. In den letzten Jahren hat sich die Therapie des ATC deutlich weiterentwickelt. Insbesondere molekular zielgerichtete Ansätze haben zu einem Paradigmenwechsel geführt: Die Kombination aus BRAF- und MEK-Inhibition ermöglicht bei BRAF V600E -mutierten Tumoren erstmals hohe Ansprechraten und relevante Überlebensvorteile und kann in ausgewählten Fällen sogar eine sekundäre Operabilität erreichen. Weitere zielgerichtete Therapien, etwa bei seltenen RET- oder NTRK-Alterationen, sowie immunonkologische Strategien erweitern das therapeutische Spektrum. Während Immuntherapien als Monotherapie nur begrenzt wirksam sind, zeigen sie insbesondere in Kombination mit zielgerichteten Therapien oder Tyrosinkinase-Inhibitoren vielversprechende Ergebnisse. Insgesamt entwickelt sich die Behandlung des ATC zunehmend hin zu einer individualisierten, molekular gesteuerten Therapie. Entscheidend für den Behandlungserfolg sind dabei eine schnelle molekulare Diagnostik, strukturierte Abläufe und die Versorgung in spezialisierten Zentren.