Medienpädagogische Professionalisierung in der Lehrer:innenbildung – eine kritische Zusammenschau aktueller bildungspolitischer Rahmungen, Kompetenzmodelle und Instrumente
Abstract
Der Beitrag leistet eine Betrachtung aktueller bildungspolitischer Rahmungen, Kompetenzmodelle und Instrumente zur medienpädagogischen Professionalisierung in der Lehrer:innenbildung im deutschsprachigen Raum. Hierbei werden Herausforderungen durch Mediatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) besonders berücksichtigt und die zugrundeliegenden Professionalisierungsverständnisse beleuchtet. Ausgehend von einer professionstheoretisch fundierten Perspektive kann medienpädagogische Professionalisierung als ein biografischer Entwicklungsprozess verstanden werden, der durch reflexives und fallbezogenes Handeln in strukturellen Spannungsfeldern – sogenannten Antinomien – geprägt ist. Demgegenüber betonen bildungspolitische Rahmungen, Kompetenzmodelle und Instrumente kompetenzorientierte, standardisierte Sichtweisen, die vor allem auf Wissen und Fertigkeiten abzielen. Mit Blick auf die aktuellen Dynamiken entstehen hieraus Spannungsverhältnisse, die im Beitrag sichtbar gemacht werden. Die Zusammenschau bezieht insgesamt neun Bezugskonzepte ein, darunter die Modelle TPACK und DPACK , den DigCompEdu , die PoMMeL-Matrix und das Frankfurt-Dreieck . Diese werden mit Blick auf deren Genese, Zielstellung, Reichweite, Zielgruppe, theoretische Fundierung sowie empirische Evidenz bzw. normative Prägung dargestellt. Die Zusammenschau zeigt, dass viele Konzepte normativ-standardisierend angelegt sind und daher sowohl biografische als auch kontextsensitive Deutungsleistungen nur begrenzt berücksichtigen – obschon sie zentrale Orientierungsfunktionen für die Gestaltung der universitären Lehrer:innenbildung erfüllen. Betrachtet wird die empirische Absicherung, die Berücksichtigung unterschiedlicher Schulformen, Professionalisierungsphasen und fachdidaktischer Perspektiven sowie multiprofessioneller Teams. Die Autor:innen plädieren abschließend für eine professionssensible Medienpädagogik, die bestehende Bezugskonzepte als reflexive Orientierungsangebote versteht und durch kontextualisierte Praxis- und Fallbeispiele ergänzt, um medienpädagogische Professionalität von Lehrer:innen nachhaltig zu fördern.